Sehnenerkrankungen

Patienten mit Sehnenbeschwerden an den unterschiedlichsten Körperregionen kommen häufig zu uns in die Praxis. Sehr oft im berufstätigen Alter oder/und in sportlich aktiven Lebensphasen zwischen 25-55 Jahren.

Neben unfallbedingten Verletzungen handelt es sich dabei oft auf Grund von Überlastung oder Verschleiß um sog. "Enthesiopathien". Dieser Oberbegriff steht für eine Gruppe von Erkrankungen mit Synonymen wie: Tendopathie Tendinose/ Myotendinose/ Tendomyose/ Tendoperiostose/ Enthesopathie/ Tendinitis/ Enthesitis/  Insertionstendopathie/ Ansatztendopathie oder Sehnenansatzreizung. Eine Enthese ist die Stelle am Knochen, an der eine Sehne, ein Ligament (= zugfestes bindegewebiges, bandförmiges Gebilde, das die Beweglichkeit von Organen und Gelenken stabilisiert) oder eine Gelenkkapsel ansetzt. Die krankhafte Störung wird daher als Enthesiopathie bezeichnet. Die Insertionstendopathie beschreibt eine Reizung/ Entzündung am Sehnenansatz bzw. an der Übergangszone der Sehne zum Knochen. Die Ursache für eine Enthesiopathie kann degenerativer, überlastungsbedingter mechanischer, entzündlicher (z.B. Rheuma, M. Bechterew, Psoriasis!) oder stoffwechselbedingter Natur sein. So entwickeln sich degenerative Sehnenerkrankungen (Tendopathien) an mechanisch überbeanspruchten Sehnen. Häufig kommt es dann zu Durchblutungsverminderung, Gewebeumbau und Verkalkung an betroffenen Sehnen. Typisch sind Enthesopathien z.B. an der Schulter (Insertionstendopathie Supraspinatus, Kalkschulter), Ellenbogen ("Tennisarm"), Schambein (am Becken); Hüfte (Traktus, Trochanter), Kniegelenk (Patellaspitzensyndrom) und Achillessehne bzw. Fersensehnenplatte (Fersensporn).

Symptome: Enthesiopathien sind in der Regel sehr schmerzhaft. Betroffene klagen hauptsächlich über Schmerzen, die spontan und in Ruhe auftreten. Bei der klinischen Untersuchung stellen wir Druckschmerz, einen passiven Dehnungsschmerz und einen aktiven Bewegungsschmerz bei der Anspannung der dazugehörigen Muskelgruppe oder Muskulatur fest. Nicht selten sind die Schmerzen mit Funktionseinschränkungen der Gliedmaßen verbunden. Patienten kommen häufig sehr akut, mit heftigen Schmerzen oder z.T. erst nach deutlich längerer Zeit, ca. 4-12 Monate, dann aber mit chronischen Beschwerden, zu uns in die Praxis.

Es muss zwischen (sehr) akuten und eher chronischen Sehnenbeschwerden differenziert werden. Alter und Bewegungsaktivitätsmaß der Betroffenen spielen eine nicht unerhebliche Rolle bei der Therapieentscheidung. Ebenso bei einem Unfall Verletzungsort und Ausmaß der Schädigung. Die Therapien für die meisten Sehnenoder Sehnenansatzbeschwerden folgen meistens ähnlichen zeitlichen Therapiemustern:

  • Akutphasen: rasch wirksame Maßnahmen zur Schwellungs, Schmerzund Entzündungsreduzierung
  • postakute Phasen: Therapien zur Durchblutungssteigerung minderperfundierter Gewebe und Methoden zur Stimulation der Zellregeneration; Dehnungsbzw. (sorgsam dosiertes, angepasstes) Bewegungsund Muskelaufbauprogramm.
  • Es stehen die unterschiedlichsten Therapien zur Verfügung:
  • medikamentöse analgetisch-antiphlogistische Therapie (oral oder lokal)
  • Elektround Physikalische Therapien (TENS; Iontophorese, Ultraschallbehandlungen; Hochenergie-Lasertherapie)
  • Physiotherapie und Krankengymnastik (z.B. Tennisellenbogen: Training der Oberarmund Schultermuskulatur> Entlastung der Unterarmmuskeln;   Querfriktionen; Dehnungstechniken für Extensoren Unterarm, "Stretching-Programm" usw.)
  • Akutphase: Kryotherapie mit Co2, Eis, kühle Quark, Wasseroder Kohlblattwickel
  • postakute und chronische Stadien: Thermotherapien, Wärmeanwendungen, infrarot
  • Orthopädietechnische Maßnahmen (z.B. Tennisellbogenbandage, Softspot bei Fersensporn, Absatzerhöhung bei Achillodynie usw.).
  • Infiltrationen ("Spritzen") mit/ohne entzündungshemmendes Kortison
  • ggf. Hyaluronsäure-Injektionen an Sehnen und Sehnengleitgewebe
  • ACP-Gelenkinjektionen gezielt an Sehnenansatzpunkten zur Sehnenzellreparatur mittels Eigenblut
  • Neuraltherapie und Störfeldtherapie mit Procain®
  • ggf. homöopath. Infiltrationszusätze (z.B. Traumeel®; Zeel®), auch als Salben
  • klassische entzündungshemmende Medikamente wie "Kortison" (lokal oder systemisch)

ACP® (= autolog conditioniertes Plasma).

ACP® (= Autolog Conditioniertes Plasma). Die Behandlung mit autologem conditioniertem Plasma (ACP) stellt ein neuartiges Behandlungsverfahren zur Therapie chronischen Sehnenentzündungen (z.B. an Schultersehnen, Insertionstendopathien am Ellenbogen und Achillessehnen) dar. Seit längerem ist bekannt, dass die im Blut des Menschen enthaltenen Wachstumsfaktoren unterschiedliche Heilungsvorgänge positiv beeinflussen können. Auf dieser Erkenntnis beruht die ACP-Therapie. Mittels konzentrierter Wachstumsfaktoren im Blut sollen Sehnen und Knorpel-Knochenzellen zu regenerativem Wachstum angeregt werden. Dadurch können Heilungs- und Aufbauprozesse im geschädigten bzw. entzündlich veränderten Sehnengewebe stimuliert werden. Erste Kurzzeitstudien erscheinen durchaus vielversprechend, Langzeitergebnisse stehen aber noch aus.

Extrakorporale Stoßwellentherapie: Die extrakorporale Stoßwellentherapie ist eine neuere Methode zur Schmerzlinderung und Gewebereparatur. Es wird vermutet, dass die schmerzlindernde Wirkung (z.B. bei der Kalkschulter) nicht auf einer "Kalkzertrümmerung" beruht, sondern Stoßwellen scheinen die "Selbstheilung" der Zellen zu aktivieren. Weiter verbessert die Stoßwellentherapie den Zellstoffwechsel und deaktiviert die Schmerzfasern. Nach mehreren Behandlungen gelingt bei 60 –80 % der Patienten eine deutliche Schmerzlinderung bis hin zur völligen Beschwerdeabsenz.

Akute oder chronische Sehnenverletzungen, Sehnenluxationen, Abrissverletzungen (z.B. größere Rotatorenmanschettenruptur an der Schulter etc.) müssen meist operativ versorgt werden. Die Therapieentscheidung hierzu wird zusammen mit dem Patienten in der Praxis getroffen.

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